Mama jeder Baum, hast du gesagt.

Vor vielen Jahren, unsere Kinder waren noch klein,
hatte ich zu Weihnachten den Tannenbaum ausgesucht.
Da ich damals ziemlich spät in der Zeit war,
bekam ich nur noch ein sehr mickriges Bäumchen angeboten.
Was soll es dachte ich, wenn er erst mal mit Kugeln und Kerzen geschmückt ist,
wird er sicher sehr schön aussehen.
Sehr schön, ist mächtig übertrieben, aber er war ein Weihnachtsbaum geworden
und als die Kerzen brannten, sah man seine kleinen Fehler nicht mehr.
Irgendwie strahlte er heller als alle Bäume zuvor.
Trotzdem durfte ich mir ein paar Kommentare anhören.
Ein Besucher fragte lächeln: „ist euch das Geld ausgegangen,
wohl zu viele Geschenke gekauft“?
Mein damals noch sehr kleiner Sohn, schaue zu mir hin.
Ich sah in seinem Gesicht das er eine Antwort zu Gunsten des Baumes erwartete.
„Wieso Geschenke, die kommen doch vom Christkind,
was hab ich damit zu tun“, antwortete ich.
„Und außerdem darf jede Tanne einmal im Leben ein Weihnachtsbaum werden“.
Es vergingen ein, zwei Jahre und ich hatte meinen Ausspruch schon lange vergessen, sollte aber in diesem Jahr zur Weihnachtszeit wieder daran erinnert werden.
Mein Mann war mit unserem Sohn losgefahren um den Baum zu besorgen.
Dennis durfte ihn selber aussuchen. „Egal welchen“, fragte er noch beim weggehen.
„Klar“, sagte ich und war schon gespannt auf seine Errungenschaft.
Nach einigen Stunden, dass musste ja ein gewaltiger Baum werden, kamen sie zurück.
Neugierig lief ich zum Auto.
Oh, sie hatten wohl keinen Baum bekommen.
Das Auto war so leer wie beim Wegfahren.
Ich dachte schon an die Enttäuschung in dem kleinen Gesicht, als unser Sohn strahlend mit einem etwa 70 cm kleinem Bäumchen aus dem Auto hüpfte.
Sollte das der Weihnachtsbaum werden?
Ehe ich noch etwas sagen konnte, präsentierte mir unser Sohn stolz sein Bäumchen,
mit den Worten „ Mama, jeder Baum sollte einmal im Leben Weihnachtsbaum werden dürfen, hast du selbst gesagt“
Was sollte ich darauf antworten?
Wir stellen den Kleinen auf eine Nähmaschine, so eine alte mit Schränkchen
und von da aus begleitetet er uns durch die Weihnachtszeit.
Wenn möglich strahlte er noch heller, als mein Weihnachtsbaum, den ich damals mitgebracht hatte.
Nach dem Fest wurde er in unseren Garten gepflanzt,
wo er zu einer stolzen Tanne wurde.

Text:Ingrid Heuwers